Das Diskussionsforum rund um den SV Waldhof Mannheim 07

Presse, 22.07.2017

UNREAD_POSTvon FRuUuDI » Sa 22. Jul 2017, 19:09

Sind aller guten Dinge drei?

Es wird eine spannende Premierensaison für Eintracht Stadtallendorf in der Regionalliga Südwest, wo sich Neulinge und ehemalige Bundesligisten tummeln. Die OP stellt ab sofort in einer Serie täglich einen Verein vor.

Es ist ein leidiges Thema mit dem Modus in den fünf Regionalligen: Da wird man Meister und steigt dennoch nicht auf. Den SV Waldhof Mannheim ereilte dieses Schicksal in der Saison 2015/16, als man in den Aufstiegsspielen an den Sportfreunden Lotte scheiterte. In der Vorsaison war es sogar noch bitterer: Als Zweiter der Südwest-Staffel zogen die Mannheimer im Elfmeterschießen gegen den SV Meppen den Kürzeren. Während der Kultverein aus dem Emsland nun in den bezahlten Fußball zurückkehrt, muss es Waldhof erneut versuchen. Sind aller guten Dinge drei? „Wir wollen wie im Vorjahr eine Rolle im Kampf um die Aufstiegsplätze spielen“, sagt Waldhof-Sprecher Domenico Marinese.
Als Favoriten sehen sich die Mannheimer aber zu diesem frühen Zeitpunkt, zu dem die Kader der Mannschaften noch nicht feststehen, nicht. Diese Rolle weisen die Baden-Württemberger dem 1. FC Saarbrücken zu.
Ach, Mannheim und Saarbrücken! Bei beiden Vereinen denkt man gerne an die Vergangenheit zurück, als es Mitte der 1980er-Jahre noch Duelle in der Bundesliga gab. In der Saison 1982/83 stiegen die „Waldhof-Buben“ ins Fußball-Oberhaus auf - und blieben sieben Jahre erstklassig. Unter Trainer Klaus Schlappner - dem Mann mit dem Schnauzbart und dem Pepita-Hut - erlebte der Verein damals seine Glanzzeit. Nicht zuletzt dank der hervorragenden Nachwuchsarbeit schaffte es der SV Waldhof, konkurrenzfähig zu sein. So ging der Stern der späteren Nationalspieler Christian Wörns und Maurizio Gaudino und sogar der von Weltmeister Jürgen Kohler in Mannheim auf. Auch jetzt schaffen noch Talente aus der Waldhof-Schmiede den Durchbruch, die bekanntesten aktiven Profis sind Dennis Aogo und Hakan Calhanoglu.
Erst beinahe Europacup, dann Absturz in Liga fünf
Im Jahr 1985 verpassten die Waldhöfer um Torjäger Fritz Walter nur aufgrund der schlechteren Tordifferenz als der Hamburger SV die Qualifikation für den damaligen Uefa-Cup, eine Saison später scheiterte man erst im Halbfinale des DFB-Pokals am FC Bayern München.
Der Weg zurück in den bezahlten Fußball, erst recht in die Gefilde, in denen sich Waldhof schon einmal bewegt hat, wird lang und steinig. Und die Mannheimer tun gut daran, einen Schritt nach dem anderen zu machen. Schon mehrmals in der Geschichte wollte der Verein hoch hinaus - und stürzte umso krachender ab. Nach dem Abstieg in die 2. Bundesliga verpasste Waldhof den Wiederaufstieg zweimal knapp. Mit dem Bau des Carl-Benz-Stadions, in dem der Klub seit der Saison 1994/95 spielt, sollte der entscheidende Impuls gesetzt werden. Es kam anders. Statt des Aufstiegs gab es jede Menge Trainerwechsel, teure Fehleinkäufe und interne Querelen, was 1997 im Abstieg in die Drittklassigkeit mündete.
Nach der Rückkehr in die zweite Liga sollte es mittelfristig wieder noch weiter nach oben gehen. Stattdessen führte die Pleite des Sponsors „Sportwelt“ abermals zu Finanzproblemen. Nach dem Abstieg im Jahr 2003 erhielten die Mannheimer keine Lizenz und mussten in der Oberliga Baden-Württemberg - damals die vierthöchste Spielklasse - einen Neuaufbau starten. Seitdem spielte der Verein nie höher als viertklassig, nach einem erneuten Lizenzentzug ging es für eine Saison sogar runter in die Fünftklassigkeit.

Knapp 5.000 Zuschauer bei den Heimspielen

Nach zwei erfolglosen Anläufen ist es nun an Trainer Gerd Dais, der als Bundesligaspieler früher selbst für den SV Waldhof aktiv war, im dritten Versuch den Aufstieg in die 3. Liga zu schaffen. Auf seinen Co-Trainer kann er dabei jedoch nicht bauen, zumindest nicht auf dem Spielfeld. Denn Michael Fink schnürt seine Schuhe künftig nur noch in der Verbandsliga für den FC Hanau. Der 35-Jährige, der für Eintracht Frankfurt in der Bundesliga und für Besiktas Istanbul sogar in der Champions League spielte, war im zentralen Mittelfeld wie auch in der Innenverteidigung eine feste Größe.
Nun muss Dais auf andere Spieler setzen. Einer davon ist der Franzose Dorian Diring, der vom Drittligisten Hallescher FC kam und schon in Aue Zweitligaluft schnupperte. Ebenfalls Zweitliga-Erfahrung bringen Simon Tüting (ehemals Sandhausen) sowie die Zwillingsbrüder Gianluca und Raffael Korte mit. Die 26-Jährigen sind nach ihrer Zeit bei Eintracht Braunschweig wieder vereint. Während Gianluca Korte in der Vorsaison schon für Mannheim spielte, konnte sich sein Bruder bei Union Berlin nicht durchsetzen und schloss sich nun dem SV Waldhof an. Er soll Torjäger Nicolas Hebisch (früher SV Babelsberg und 1. FC Magdeburg) unterstützen, der mit zwölf Treffern in der abgelaufenen Saison bester Mannheimer Torschütze war. Zuletzt haben die Verantwortlichen mit Stürmer Maurice Deville vom 1. FC Kaiserslautern die Mannschaft weiter verstärkt.
Am Zuschauerzuspruch sollte das Projekt Aufstieg nicht scheitern. Im Durchschnitt besuchten 4.852 Zuschauer die Regionalliga-Heimspiele des SV Waldhof, nur Kickers Offenbach lockte mehr Zuschauer an (5.229).
Waldhof schert beim China-Projekt aus
Kein Grund für den Verein also, weiteres Geld mit Freundschaftsspielen zu verdienen. Erst recht nicht, wenn es sich dabei um die Olympiamannschaft Chinas handelt, die bei 19 Regionalligisten in der Südweststaffel immer gegen das jeweils spielfreie Team antreten soll. Die Vereine erhielten dafür laut Medienberichten jeweils 15.000 Euro. Was den anderen 18 Klubs anscheinend die Aussicht auf ein Fernost-Duell versüßt, stößt den Mannheimern sauer auf. Waldhof-Geschäftsführer Markus Kompp sieht zwar die Vermarktungsmöglichkeiten, aber: „Man sollte den regionalen Bezug nicht komplett verlieren“, kritisierte Kompp im SWR.
Somit steht die Liga doch nicht einvernehmlich hinter den DFB-Plänen, wie es zuerst von Felix Wiedemann, dem stellvertretenden Geschäftsführer der Regionalliga Südwest hieß. Wiedemann zeigte sich „überrascht und verärgert“, zumal die Mannheimer telefonisch zunächst zugesagt haben sollen. Diese schrieben auf Facebook jedoch nur von einer prinzipiellen Bereitschaft, eine schriftliche Zustimmung habe es nie gegeben. Spannend dürfte es also am 11. Juli werden. Dann sollen die Regionalliga-Manager endgültig über den Plan mit der chinesischen U-20-Nationalmannschaft entscheiden.
Unabhängig davon steht aber fest: Eintracht Stadtallendorf wird in beiden Spielen gegen Waldhof Mannheim krasser Außenseiter sein. „Bisher kann man wenig über den TSV sagen“, räumte Waldhof-Sprecher Marinese ein. Als Aufsteiger sieht er die Stadtallendorfer aber eher im Abstiegskampf.


Quelle: op marburg
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